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Mit einer Einkaufsliste die Gegner effizienter besiegen

Die Einkaufslisten-AppBenjamin Möller, Philippe Göllnitz und Ramon Sprecher verbindet nebst dem gemeinsamen Hobby des Tischtennis noch etwas anderes: Alle führen sie eine Gegnerdatenbank, um sich dadurch besser auf anstehende Spiele vorbereiten zu können. Die Form geht dabei von einer sehr ausführlichen SQL-Datenbank über eine Excel-Tabelle bis hin zu einer Einkaufsliste.

 

Text: Daria Lehmann, Fotos: Ramon Sprecher, Benjamin Möller, Michael Schüpbach, Google Play Store und Daria Lehmann

 

Benjamin Möller (B14) spielt bei Ostermundigen in der zweiten Liga. Die Idee, eine Gegnerdatenbank aufzubauen, kam ursprünglich von seinem Trainer in Frankfurt. „Der meinte damals, dass ich technisch und physisch so schlecht sei und so wenig Ballgefühl habe, dass ich nur über eine gute Taktik einigermassen gut werden könne“, lacht der sympathische Deutsche. So habe er dann damit begonnen, ein Taktikheft zu führen, in welchem er einige erfolgreiche und einige eher weniger erfolgreiche Spielzüge gegen jeden Gegner notierte.

 

Philippe Göllnitz (B13) startete seine Gegnerdatenbank auf Eigeninitiative hin. „Ich wollte, dass ich mir im vierten Satz nicht mehr so doof vorkomme, weil ich erst dann merke, dass ich beispielsweise die Anspiele des Gegners anziehen kann.“

 

Philippe GöllnitzDie Datenbank von Philippe Göllnitz beschränkt sich dementsprechend auch hauptsächlich auf die Auf-und Rückschläge: „Ich schreibe mir auf, wie ich aufschlagen sollte und wie ich die Anspiele des Gegners am besten abnehme“, erzählt der 36-Jährige, der nun seit vier Jahren beim TTC Köniz aktiv spielt.

 

Mit dem Ziel, „die Rückrundenspiele mit einem klaren Spielplan zu bestreiten“, begann auch Ramon Sprecher (C9) vom TTC Kirchberg vor einigen Jahren damit, sich Notizen über seine Gegner zu machen. „Ich passe mein Spielstil gerne den Schwächen meines Gegners an“, bemerkt er dazu – das sei ein grosser Unterschied zu Spielern, welche jeweils ihren eigenen Spielstil durchzusetzen versuchten. Ramon Sprecher führt seine Datenbank in einem Excel-Dokument, welches er jeweils nach der Vorrunde ausdruckt und vor den Matches der Rückrunde konsultiert. „Falls ich gegen Spieler schon in den vergangenen Saisons gespielt habe, spicke ich natürlich bereits in der Vorrunde auf einer alten Liste“, ergänzt der 26-Jährige.

 

Als Vorteile seiner Datenbank ist Ramon Sprecher vor allem die Einfachheit der Liste wichtig. Diesen Vorteil hat sich auch Philippe Göllnitz zu Nutze gemacht, in dem er kurzerhand eine Einkaufslisten-App zur Gegnerdatenbank umfunktionierte. „So habe ich die Notizen immer dabei.“ Allerdings könnte so die Übersichtlichkeit leicht verloren gehen, da die Sortierung nicht klar sei – „wobei einen das bei meinen 15 Einträgen aber wohl auch herzlich egal sein kann“, lacht der Informatiker.

 

Die Gegnerdatenbank von Ramon SprecherBenjamin Möller verfügt mit seinen knapp 300 Einträgen über einen weit grösseren Datensatz. „Ich habe vor ca. fünf Monaten damit begonnen, meine Notizen in Form einer SQL-Datenbank zu speichern“, erzählt er. Für jeden Spieler beschreibt der Leiter Business Intelligence der BKW nicht nur das Material des Schlägers, die Händigkeit des Spielers, seine Griffhaltung und –ausprägung und eine Bewertung der einzelnen Schläge, sondern auch die Mannschaftsstimmung während des Spiels, die Rahmenbedingungen des Spiels (ob es z.B. für den Auf- oder Abstieg relevant war) und wie gut die Verfassung des Gegners resp. seine eigene während des Spiels waren. Und natürlich dürfen auch die ELO-Punkte nicht fehlen. „Wenn ich einem A20-Spieler bei Rückhand Topspin eine 5 gebe (von 1 bis 10), dann ist das natürlich immer noch wesentlich besser, als wenn ich einem D1-Spieler dort eine 8 gebe“, erklärt Benjamin Möller.

 

Benjamin MöllerTrotz des enormen Aufwands für seine Gegnerdatenbank sieht der 39-Jährige das Ganze mit viel Humor. „Ich mache das weniger wegen der Inhalte oder wegen der Sinnhaftigkeit, sondern vielmehr, weil mich die Vorgänge technisch interessieren. Ich sehe das auch als eine Art berufliche Weiterbildung.“ Spannend sind die Ergebnisse nichtsdestotrotz. Mit statistischen Analysen kann beispielsweise festgestellt werden, wie gut die Bilanz des Gegners im fünften Satz ist – also wie oft der Gegner im Durchschnitt den fünften Satz verliert oder gewinnt. Und Spass hin oder her, vor den meisten Spielen guckt Benjamin Möller doch noch kurz auf seine Datenbank, und er denkt auch, dass ihm das hilft: „Ich bin technisch ca. ein C9, physisch wohl eher ein C7, aber als Gesamtpaket – sicher auch wegen meinem Material – eine B14.“

 

Auch Ramon Sprecher konsultiert seine ausgedruckte Excel-Tabelle praktisch vor jedem Spiel. Ob er nun mehr Spiele gewinne als vorher, das sei anhand der Bilanzen in den letzten Jahren nicht belegt. „Aber so kann ich wenigstens sagen, dass ich es versucht habe“, witzelt der angehende Wirtschaftsprüfer.

 

Ob die Gegnerdatenbank von Ramon Sprecher (hinten li) ihm bei diesem Spiel wohl geholfen hat?Philippe Göllnitz seinerseits ist auch nicht restlos vom Erfolg seiner Datenbank überzeugt. Es sei aber auch noch ein bisschen zu früh, eine Bilanz zu ziehen, da er sie erst seit Beginn dieser Saison führe und somit noch praktisch nie die Gelegenheit hatte, seine Notizen vor einem Match zu konsultieren. „Ich denke aber, dass Gegner auch von Tag zu Tag ganz anders spielen können – es kann also gut sein, dass das Ganze nicht viel bringt.“ Trotzdem wird Philippe Göllnitz seine Einkaufsliste erst mal weiterhin führen.

 

Alle drei Spieler raten im Übrigen auch anderen Spielern dazu, sich eine Gegnerdatenbank aufzubauen – „klar ist aber, dass es Spass machen muss, die Datenbank zu pflegen, ansonsten macht es keinen Sinn“, ergänzt Ramon Sprecher. Und Philippe Göllnitz fügt hinzu: „Man muss sich halt klar überlegen, welche Ziele man damit verfolgt.“ Optimal ist es natürlich, wenn sich wie bei Benjamin Möller verschiedene Interessen überschneiden.

 

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