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Swiss SportClinicAusdauertraining im Tischtennis

Die Ausdauer scheint auf den ersten Blick diejenige konditionelle Fähigkeit zu sein, welche eine untergeordnete Rolle spielt. Bei genauerer Analyse der Sportart wird jedoch klar, dass mit spezifischem Ausdauertraining eine Verbesserung der Wettkampfleistung möglich wird.

 

Text und Fotos: Laura Walker

 

Einleitung:

Tischtennis ist eine der schnellsten Sportarten der Welt. Der Ball beschleunigt auf Geschwindigkeiten von bis zu 170 Kilometer pro Stunde. Das verlangt eine aussergewöhnliche Reaktionsfähigkeit vom Gegenspieler. Begnadete Spieler sind zudem schnellkräftig, technisch versiert, beweglich und mental stark.

Die Ausdauer scheint auf den ersten Blick diejenige konditionelle Fähigkeit zu sein, welche eine untergeordnete Rolle spielt. Bei genauerer Analyse der Sportart wird jedoch klar, dass mit spezifischem Ausdauertraining eine Verbesserung der Wettkampfleistung möglich wird.

 

Energiesysteme:

Die Ausdauer wir als Ermüdungsresistenz bei einer Beanspruchung der physischen, psychischen, mentalen, emotionalen und sensorischen Fähigkeiten beschrieben.

Der Körper generiert über verschiedene Systeme Energie für sportliche Leistung.

  • Aerobe Energiegewinnung (mit Sauerstoff)
  • Anaerobe-laktazide Energiegewinnung (ohne Sauerstoff, mit Laktatbildung)
  • Anaerobe-alaktazide Energiegewinnung (ohne Sauerstoff, ohne Laktatbildung)

Bei jeder sportlicher Leistung sind alle drei Systeme aktiv. Je nach Intensität und Dauer ist jedoch ein anderes System dominant und liefert am meisten Energie. Laktat wir bei jeder körperlichen Betätigung gebildet. Bei der aeroben Energiegewinnung wird das Laktat jedoch gleich wieder abgebaut. Somit entspricht die Laktatproduktion der Laktatelimination und hält sich im Gleichgewicht. Sobald die Intensität erhöht wird, setzt der anaerobe Stoffwechsel ein und die Laktatproduktion übersteigt die Elimination, weshalb das Laktat ansteigt.

Eine gut ausgebildete aerobe Ausdauer bildet die Grundlage für die sportartspezifische Ausdauer und hilft, die Qualität der technischen Elemente der Sportart über einen langen Zeitraum aufrecht zu erhalten. Ein weiterer positiver Effekt der guten Grundlagenausdauer ist die Verringerung der taktischen Fehlentscheidungen und die schnellere Regeneration bei intervallförmigen Belastungen.

 

Sportartanalyse:

Im Tischtennis wird im «Best of Five» oder «Best of Seven» Modus gespielt. Ein Ballwechsel dauert durchschnittlich 3.5 Sekunden. Darauf folgt eine Belastungspause von 8 bis 20 Sekunden, wobei die Zeit, welche für eine Spielwiederaufnahme benötigt wird, gegen Ende eines Turniers zunimmt (Zagatto et al., 2018). Ein Match besteht aus hochintensiven Belastungen gefolgt von kurzen Pausen. Tischtennis ist daher eine Sportart mit intervallförmiger Belastung. Die Blutlaktatwerte überschreiten selten 2 mmol/L, was unter Berücksichtigung der Dauer der Belastung auf den anaeroben-alaktaziden Stoffwechsel hinweist (Zagatto et al., 2018). Während der Erholungsphase zwischen den Ballwechseln findet die Energieproduktion vor allem aerob statt.

 

Trainingsempfehlung:

Das Training sollte zum einen aus niedriger Intensität mit hohem Umfang für den aeroben Stoffwechsel und zum anderen aus hohen Intensitäten mit einem kleinen Umfang für den anaeroben-alaktaziden Stoffwechsel gestaltet werden. Idealerweise integriert man das Ausdauertraining sportartspezifisch ins Training mit Schläger und Ball.

 

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Die aeroben Grundlagenausdauertrainings kann beispielsweise durch das Vorhandtraining mit dem Fokus auf technisch perfekte Ausführung verbessert werden. Der Ball wird vom Trainer ausschliesslich auf die Vorhand gespielt, ohne dass der Athlet in einen körperlich ermüdeten Zustand gerät. Natürlich wäre es auch möglich, einen kontinuierlichen Dauerlauf durchzuführen. Wie sich jedoch jeder Spielsportler vorstellen kann, macht das Training mit dem Schläger und Ball mehr Spass und die Zeit kann effizienter genutzt werden. In einer Spielsportart ist es demzufolge sinnvoll, die Grundlagenausdauer durch disziplinspezifische Beanspruchung zu erwerben.

 

Eine Form, in welcher der anaerobe Stoffwechsel dominiert, beinhaltet hochintensive Belastungen unter hohem Zeitdruck mit kurzen Pausen. Auch dieses Training kann sportartspezifisch integriert werden. Nun ist die Trainingseinheit jedoch nicht mehr technisch-orientiert.

Der Trainer spielt über eine kurze Dauer Bälle ins Spiel, welche mit höchster Geschwindigkeit retourniert werden müssen. Darauf folgt die passive Erholung. Dieser Wechsel von Belastung und Erholung wird mehrmals wiederholt. Die darauffolgende Serienpause kann aktiv gestaltet werden. Danach beginnt es wieder von vorne. Dieses Prozedere wird mehrmals wiederholt.

Eine andere Form eines Ausdauertrainings ist das «Circuittraining», bei welchem eine Kraftübung explosiv während 40 Sekunden ausgeführt wird, gefolgt von 20 Sekunden Erholung. Dabei erzielt man zusätzlich einen neuromuskulären Reiz, welcher für Schnellkraftsportarten förderlich ist. Geeignete Übungen sind Medizinballwürfe oder «Jumping Lunges», wodurch die oberen und unteren Extremitäten explosive Bewegungen ausführen müssen.

 

Fazit:

Die Ausdauerleistung ist nicht der limitierende Faktor im Tischtennis. Trotzdem sollte mit entsprechenden sportartspezifischen Trainingsformen die Ausdauer trainiert werden, um die Handlungs- und Reaktionsfähigkeit aufrecht zu erhalten und die technische Fehlerquote so tief wie möglich zu halten (Sperlich et al., 2010).

 

Info SSC:

Seit 2011 ist die Swiss Sportclinic Partner des Swiss Table Tennis Nationalkaders und führt die jährlichen sportärztlichen Untersuchungen sowie die Leistungstests mit den Athleten des Nationalkaders durch. Ausserdem ist Sabine Arentz, Orthopädin und Sportmedizinerin der Swiss Sportclinic, Verbandsärztin von STT. 

In der Swiss Sportclinic finden Sie ein einzigartiges Zusammenspiel von Spezialisten aus verschiedenen Fachrichtungen. Unser Angebot reicht von Orthopädie, Allgemein-, Sport- und Höhenmedizin, Sport- und Bewegungswissenschaften, Physiotherapie, Gang- und Laufberatung bis hin zur Sportpsychologie. Wir behandeln alle Patienten und freuen uns, auch für Firmen und Sportvereine massgeschneiderte Pakete anzubieten.

 

Info Autorin:

Laura Walker ist Sportwissenschaftlerin in der Swiss Sportclinic in Bern Wankdorf. Ihren Masterabschluss hat sie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) erlangt. Im Moment absolviert sie zusätzlich die Ausbildung «Konditionstrainer Swiss Olympic».

 

Laura Walker, Swiss SportClinic

 

Literatur:

  • Zagatto, Moura A, Kondric, Miran, Knechtle, Beat, Nikolaidis, Theo P, Sperlich, Billy (2018). Energetic demand and physical conditioning of table tennis players. A study review. Journal of Sports Sciences, 36(7): S. 724-731.
  • Sperlich B, Köhler K, Schimmelpfennig D, Mester J (2010). Tischtennis: Physiologische Trainings- und Wettkampfanalyse von Junioren-Nationalspielern. Leistungssport. Philippka Sportverlag, 40(6), S. 32-34.

 

 

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